Und so fängt die Geschichte von Felix Ratterich an:
"Dicki", wie er diesen Spitznamen hasste! "Dicki, Dicki, fang uns doch!", schrieen seine Klassenkameraden und sausten quietschend auseinander. Und keuchend und japsend versuchte Felix, eines der anderen, wieselflinken Rattenkinder anzuschlagen, die sich über ihn lustig machten. Es war aussichtslos.Wenn nicht irgendwann einer seiner Kameraden, weil es langweilig wurde, sich freiwillig abschlagen ließ, schaffte er es nie, einen zu kriegen. Er konnte einfach nicht so schnell laufen wie die anderen, die halb so viel Gewicht auf die Waage brachten wie er.
Frustriert stoppte er plötzlich ab und ging einfach zu seinem Rucksack, setzte sich auf eine Bank und holte sein Frühstücksbrot heraus.
Wütend hieb er seine Vorderzähne in sein Frühstücksbrot und wischte sich mit der Pfote über die Stirn. Der Appetit war ihm eigentlich vergangen, aber irgendwas wollte er tun.
Tja, und so wir Ihr, fragt sich auch Felix' Freundin Sonja, warum ihr Klassenkamerad eigentlich so viel dicker ist als die anderen Kinder.
"Warum ist Felix so dick?", fragte sie ihre Mutter. "Warum bist du so klein?", antwortete diese lächelnd. "Ich war als Baby krank", sagte Sonja energisch. "Und von einer Krankheit wird man bestimmt nicht dick, sondern vom zu viel Essen." "Sooo einfach ist das nicht"; sagte ihre Mutter und trocknete sich die Pfoten ab. "weißt du, früher hat meine Mutti, wenn sie ein dickes Kind gesehen hat, immer kopfschüttelnd gesagt: "Fresser werden nicht geboren, Fresser werden erzogen."
"Aber in letzter Zeit kommen so viele Berichte im Fernsehen, die zeigen, dass das Zudicksein auch angeboren sein kann. Gerade gestern wieder war eine Sendung, da haben sie Bilder gezeigt von jungen Mäusen, die waren so dick, das kannst du dir überhaupt nicht vorstellen!", sie schüttelte bei der Erinnerung entsetzt den Kopf. "Und man weiß genau, dass diese Mäuse eine angeborene Störung haben, die sie zwingt, so viel zu essen. Die armen Kerle haben einfach das Gefühl zu verhungern, wenn sie nicht ständig essen. Bis sie schließlich so kugelrund sind, dass sie kaum noch laufen können. Ist das nicht schrecklich?"
Sonja nickte, die armen Mäuse taten ihr leid. "Und du meinst, Felix könnte es ebenso gehen wie diesen Mäusen?", fragte sie nachdenklich. "Nun, das weiß ich natürlich nicht", meinte ihre Mutter. "In diesen Sendungen wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Dickwerden auch sehr viel mit zu wenig Bewegung zu tun hat. Vielleicht liegt ja auch dassdas Problem. Du hast mir ja selber erzählt, dass Felix sonst immer den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher gesessen hat." "Nun wenn es daran liegt, dann wird er jetzt schlank werden, wenn er mit mir Ball spielt", sagte Sonja mit dem ihr eigenen Optimismus. Und damit war der Fall für sie erst mal erledigt.
Nach einiger Verwirrung geht Felix schließlich mit seiner Mutter zu einem Facharzt. Dr. Schnauzbart nimmt sich viel Zeit und versucht Felix zu erklären, wie das mit dem Zunehmen und Abnehmen funktioniert. Nehmt Euch auch mal ein bisschen Zeit, seinen Erklärungen zu folgen. Dann versteht Ihr sicher auch, dass es mit dem Abnehmen gar nicht so einfach ist.

So wie ein Stausee als Wasserreserve dient, so dienen die Fettpolster in unserem Körper als Energiereserve. Selbst im Energiestausee eines schlanken Kindes ist 30-mal soviel Energie enthalten, wie täglich zu und abfließt (also 30 "Eimer" voll Energie). Solange die tägliche Energieabgabe genauso groß ist wie die tägliche Energiezufuhr, bleibt der Wasserstand im Stausee gleich. Die tägliche Energiezufuhr ergibt sich aus allem, was du im Laufe des Tages isst und trinkst, auch den Kleinigkeiten zwischen den Mahlzeiten. Die tägliche Energieabgabe ist die Energie, die unser Körper verbraucht, um zu funktionieren, z. B. um Deine Körpertemperatur bei 37 °C zu halten und auch um Deine Muskeln zu versorgen, wenn du dich bewegst.
Aber selbst wenn man jeden Tag nur ein kleines bisschen mehr isst, als man verbraucht, dann beginnt sich der Energiestausee zu füllen. Das geht so langsam, dass man es oft nicht gleich merkt, aber wenn der Zufluss über Monate und Jahre den Verbrauch übersteigt, wird der Stausee voller und voller, du hingegen dicker und dicker.

Mit Hilfe des Stausee-Beispiels kann Dr. Schnauzbart Felix auch erklären, warum er nicht von heute auf morgen wieder schlank werden kann. Bei einem sehr dicken Kind kann der Stausee dreimal so viel Energie enthalten wie bei einem schlanken Kind, also 90 "Eimer" voll Energie. Auch wenn das Kind dann aufpasst und nicht mehr isst, als es verbraucht, wird der Energiestausee davon nicht wieder leerer. "Ganz so dick wie das Kind auf dem Bild bin ich aber glücklicherweise nicht", denkt Felix erleichtert. "Wie viele "Eimer" wohl in meinem Energiestausee stecken?"

Abnehmen kann man nur, wenn die Energieabgabe die Energiezufuhr übersteigt, also mehr aus dem Stausee abfließt als hineinfließt. Selbst wenn ein so dickes Kind überhaupt nichts mehr essen würde, würde es (bei gleichbleibender Energieabgabe von einem "Eimer") also 60 Tage dauern bis der Energiestausee wieder auf den Normalstand wäre. Und leider wird die Energieabgabe von unserem Körper auch noch automatisch verkleinert, wenn wir hungern. So kann das also nicht klappen mit dem Schlankwerden.

Übergewichtige hoffen oft, dass sie ihren Energiestausee schnell leeren können, indem sie die Energieabgabe kräftig erhöhen. Dafür werden häufig Wundermittel in der Reklame angepriesen.
Viele hoffen auch, durch etwas Sport den Energiestausee ganz schnell wieder auf den Normalstand zu bringen. Aber selbst die Fahrer bei der Tour de France verbrauchen nur 2-3 mal so viel Energie pro Tag wie ein Übergewichtiger, der ihnen bequem vor dem Fernseher zusieht.
Wenn du dich erinnerst, was für eine irre Leistung diese Sportler dabei vollbringen, ist dir sofort klar, dass man seinen Energieverbrauch nicht so leicht verdoppeln kann. Dann verstehst du auch, dass es keine Wundermittel geben kann, durch die sich ein übervoller Fettspeicher im Nu leert. Man kann den Inhalt des Energiespeichers nicht wegzaubern, er muss langsam verbraucht werden.

Beim Abnehmen muss man sich also viel Zeit lassen. Das beste Verfahren ist deshalb, sowohl etwas weniger zu essen als auch sich etwas mehr zu bewegen. Aber nur so viel, dass man das auch wirklich auf Dauer machen kann. Regelmäßig Sport zu treiben, kann dabei helfen, aber keine Wunder bewirken. Kurzfristige Diäten machen alles nur schlimmer, weil man danach um so schneller wieder zunimmt. Wichtig ist also, dass man Wege entdeckt, um seine Ernährung und seine Aktivitäten für immer zu verändern. Sie sollen gesund sein und auch Spaß machen. Nur so wird man sein Gewicht auf Dauer normalisieren können.

Felix hat Glück. Er findet in seiner Klassenkameradin Sonja und Rolf, dem Trainer vom Schwimmverein gute Freunde, die ihm helfen, "seinen" Sport zu entdecken. Er wird Tormann im Wasserballverein. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Felix muss wochenlang sehr viel trainieren, um in Form zu kommen, weil er früher ja immer nur alleine vor dem Fernseher rumgehangen hat. Aber zusammen mit Sonja und Rolf macht das wirklich Spaß. Sie haben Geduld und erkennen die Fortschritte an, die er langsam macht. So bekommt Felix allmählich das nötige Selbstvertrauen, um ein wirklich guter Tormann zu werden. Von seinen Teamkameraden im Wasserball-Verein kommt auch niemand auf die Idee, ihn zu verspotten, weil er dick ist. Schließlich wollen sie doch zusammen das große Spiel um die Bezirksmeisterschaft gewinnen. In der Schule dagegen sieht es nach wie vor noch traurig aus für Felix.
Ganz im Gegensatz zu ihren guten Leistungen im Wasserrattenball-Team sind Felix und Sonja immer noch die Außenseiter, wenn ihre Klassenkameraden im Sportunterricht Pfotenballspielen. Sie sind immer die letzten, die in das Team gewählt werden, und dann stehen sie immer nur auf dem Spielfeld rum, weil ihnen sowieso niemand einen Ball zuspielt, da sie ja damit nicht so flink rennen können. Aber einige Tage nach seinem Geburtstag, fasst sich Felix ein Herz und besteht darauf, dass er als Tormann spielen möchte.
"Du meinst wohl, so fett wie du bist, kriegt keiner den Ball an dir vorbei ins Tor? Täusch dich nicht, Dicki, die pusten dich Waschlappen zusammen mit dem Ball ins Netz!" meinte Rudi höhnisch. Felix holte hörbar Luft. Er war ja einiges gewöhnt von seinen Klassenkameraden, aber das war ja wohl der Gipfel. Am liebsten hätte er sich auf das Lästermaul gestürzt und eine Beißerei angefangen. Aber er hatte beim Training auch eine Menge Disziplin gelernt. Rolf schärfte ihnen allen immer wieder ein, dass keine noch so gemeine Unfairness eine andere rechtfertigte. Und er duldete keine Tätlichkeiten in seinem Team. Also schnaufte Felix nur noch mal hörbar und marschierte dann wortlos ins Tor.
Der Lehrer pfiff das Spiel an. Es dauerte nicht lange, bis der erste harmlose Wurf auf Felix kam. Locker fing er den Ball und suchte einen guten Anspielpartner. "Schnell her!" schrie Max, der drei Meter vor ihm stand, aus lauter Angst, Felix würde gleich einen gefährlichen Fehlpass produzieren. Felix täuschte einen Wurf zu ihm an, drehte sich dann aber abrupt und steckte seine ganze Kraft in einen Sprungwurf. Er zielte genau auf Rudi, der gerade über die Schulter hinweg mit Bernd, der hinter ihm stand, tratschte. "Pass auf !" schrie jemand. In letzter Sekunde sah Rudi den Ball kommen. Der Pass saß so genau, dass er ihn spontan fing. Aber der Ball hatte so viel Wucht, dass er dabei ziemlich unsanft auf dem Hintern landete. Wo war der Ball hergekommen? Seine Klassenkameraden um ihn rum grinsten alle ohne Ausnahme. Felix aber stand, wie sonst in den Sportstunden, in typisch schlapper Haltung mit eingeknickten Pfoten und hängendem Bauch im Tor und tat so, als hätte er mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun.
Rudi rappelte sich auf, übersah geflissentlich Sonja, die frei in idealer Wurfentfernung vor dem Tor stand und spielte auf Max, der gefolgt von zwei Bewachern, nach vorne gelaufen war. Der Ball ging verloren. Im Gegenzug gelangte der Ball schließlich zu Fritz, einem der besten Spieler in der Klasse, der sich geschickt freigelaufen hatte. Felix stand mit gespitzten Ohren, gespannt wie eine Feder, im Tor. Fritz war ein sehr guter Werfer, und spielte schon seit langem in der Jungendmannschaft des Pfotenballvereins, aber mit Felix im Tor gab er sich nicht besonders viel Mühe. Entsprechend hatte Felix gar keine Schwierigkeiten, den Ball zu fangen und dabei nach Sonja Ausschau zu halten. "Hier", rief er und spielte Sonja in erprobter Weise an. Sonja brauchte mit dem Ball nicht weit zu laufen, sie machte nur einen kleinen Sprung und steckte dann ihre ganze Erfahrung in den Wurf. Der Ball rollte aus den Händen des gegnerischen Tormannes und war im Netz! Verdutzt schauten ihre Klassenkameraden sie an. Das musste ja wohl ein Zufall gewesen sein.
Tja, und damit ihr euch besser vorstellen könnt, dass dicke und dünne Kinder lernen können, zusammen Spaß beim Sport zu haben, zeigen wir euch zum Schluß; noch ein Bild. Könnt ihr euch denken, worüber sich Felix und seine Teamkameraden hier so freuen?

Ende
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