Magersucht (Anorexia nervosa)
Anorexia nervosa bezeichnet einen selbstverursachten bedeutsamen Gewichtsverlust oder eine unzureichende altersgemäße Gewichtszunahme, die mit der tief verwurzelten Überzeugung einhergeht, trotz Untergewicht zu dick zu sein. Kernsymptom der Magersucht ist die sogenannte Körperschemastörung: Magersüchtige Patienten überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz Untergewicht für zu dick.
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Definition der Anorexia nervosa nach ICD-10
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Man unterscheidet drei Untergruppen: Bei der restriktiven Anorexia nervosa wird der Gewichtsverlust ausschließlich durch Einschränkung der Nahrungszufuhr und/oder verstärkte körperliche Aktivität erreicht. Die Anorexia nervosa mit zusätzlichen Gewichtsreduktionsmethoden schließt darüber hinaus selbstherbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel- und/oder anderer Medikamentenmissbrauch mit dem Ziel der Gewichtsabnahme ein. Bei der Anorexia nervosa mit bulimischen Attacken werden die Zeiträume eingeschränkter Nahrungszufuhr durch sogenannte Essattacken unterbrochen, bei denen große Mengen an Nahrung verzehrt werden. Eine Gewichtszunahme wird dann durch die bereits beschriebenen gewichtsreduzierenden Methoden vermieden.
Die kindliche Anorexia nervosa beginnt vor Eintritt in die Pubertät und geht mit einem Stillstand oder einer Verzögerung der pubertären Entwicklung und/oder des Wachstums einher.
Bulimie (Bulimia nervosa)
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Definition der Bulimia nervosa nach ICD-10
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Bulimie äußert sich durch häufig auftretende Essattacken, denen der Versuch folgt, den "dickmachenden" Effekt der Nahrung durch unterschiedliche Verhaltensweisen, z.B. selbstherbeigeführtes Erbrechen, Abführmittelmissbrauch oder Fasten, entgegenzuwirken. Diesen Versuchen liegt die krankhafte Furcht zugrunde, zu dick zu werden. Auch bei der Bulimie liegt in der Regel eine Körperschemastörung vor wie bei der Magersucht, die häufig in der Vorgeschichte auftritt. Der Häufigkeitsgipfel dieser Essstörung liegt bei 18 bis 20 Jahren. Bulimische Menschen können unter-, normal- oder auch übergewichtig sein, sie haben jedoch meist ein sehr schlankes Körperideal.
Unterschieden werden die folgenden Untergruppen: Bulimia nervosa mit Anorexia nervosa in der Vorgeschichte, Bulimia nervosa ohne Anorexia nervosa in der Vorgeschichte und die gleichzeitige Erkrankung an Anorexia und Bulimia nervosa, das heißt zusätzlich ein erhebliches Untergewicht und Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation).
Ein tiefgehendes Schamgefühl führt dazu, dass die Betroffenen ihre Krankheit lange Zeit verheimlichen und sich sozial isolieren. Häufig treten auch Depressionen unterschiedlichen Schweregrades und selbstverletzendes Verhalten (SVV), also das absichtliche Zufügen von Schnitten, Wunden oder sonstigen Verletzungen z.B. aufgrund von Gefühlen des Selbsthasses, auf.
Adipositas
Nach gegenwärtiger Auffassung kann Adipositas die Folge eines ganzen Bündels von Faktoren sein, zum Beispiel emotionaler Störungen, Angst oder Depression, genetische Veranlagung, Eigenheiten des Stoffwechsels und andere physische Merkmale, sowie gesellschaftliche Einflüsse. Das Übergewicht als solches und die wiederholten Versuche abzunehmen, können gravierende psychische Folgen haben. Übergewichtige sehen sich selbst negativer als Normalgewichtige, zweifellos auch eine Folge der gesellschaftlichen Voreingenommenheit. Da es häufig zu chronisch fortschreitenden gesundheitlichen Risiken kommen kann, ist bei Übergewicht in vielen Fällen eine psychotherapeutische Behandlung notwendig.
Weitere Kennzeichen der Adipositas:
- Massives Übergewicht
- Unkontrolliertes Essen
- Erniedrigtes Selbstwertgefühl
- Hunger- und Sättigungsstörungen
- Heißhungeranfälle
- Häufiger Missbrauch von Medikamenten,
- Laxantien (Abführmittel), Diuretika (Entwässerungsmittel)
- Kontrollverlust erleben
- Depressionen und Stimmungsschwankungen
- Schuld- und Schamgefühl
- Selbsthass
- Herz- und Kreislaufbeschwerden sowie
- Beschwerden im Bewegungsapparat
- Mangel an sozialen Kontakten
- Sexuelle Probleme
- Vermeidung körperlicher Aktivitäten
Binge Eating
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Definition von Binge-Eating nach ICD-10
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Binging bedeutet wörtlich „gieriges Essen, vollstopfen". Das Binge-Eating entspricht gewissermaßen einer Bulimie, jedoch ohne Erbrechen oder andere gewichtsreduzierende Manipulationen (die man als „purging" bezeichnet) und ist daher oft mit Übergewicht verbunden. Der Begriff hat sich im angloamerikanischen Bereich entwickelt und wird heute auch in Deutschland mehr beachtet. Aufgrund einiger Besonderheiten haben sich in den letzten Jahren einige psychotherapeutische Spezialeinheiten für das Binge-Eating erfolgreich etabliert.
Das Binge-Eating ist aufgrund des gut abgrenzbaren Problemverhaltens mit guter Erfolgsaussicht klinisch-psychotherapeutisch zu behandeln. Andererseits erfahren Betroffene größere Schwierigkeiten, in Gewichtsreduktionsprogrammen und nehmen meistens schnell wieder zu, nicht selten über das ursprüngliche Gewicht hinaus. Das liegt daran, dass das Binge-Essverhalten oft eine Suchtdynamik hat. Eine tiefergehende Verbesserung wird dann erst mit einer therapeutischen Auflösung dieser Problematik möglich.
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